Mit Gastartwork vom Chefspatz

 


’S ist vor langer Zeit geschehen,
nicht bezeugt, muss ich gestehen,
doch ein Mythos, der sich windet
um der Drachenhöhle Macht.
Jeder Mensch, der dort verschwindet,
der sich in die Höhle traut,
der wird niemals mehr gesehen,
niemals mehr ein Mensch ihn findet,
nie mehr er das Licht anschaut.
Sie schenkt ihm ewige Nacht.


Dort, im Hort des Weltzerstörers,
dort, im Schatten des Entführers,
finden sich gar tausend Seelen,
in Unendlichkeit verdammt.
Selbst der Berg kann’s nicht verhehlen,
Unheil, das geschehen wird
in der Höhle des Zerstörers,
der wird jede Seele stehlen,
die sich auf den Berg verirrt.
Aus dem Abgrund er entstammt.


Doch der jugendliche Geiste
nachzudenken sich erdreiste
nur im selt’nen Zweifelsfalle,
ist doch Hochmut stärkster Trieb.
Und so sieht der Jüngling alle
Warnungen vor’m Drachentor,
ignoriert davon das meiste,
glaubt nicht, dass er es bezahle,
steigt auf jenen Berg empor,
fürchtet mehr, als es ihm lieb.


Und nun, über Stöcke, Steine,
steigt er und nutzt jede kleine
Möglichkeit, sich selbst zu loben
für die große Tapferkeit.
Fürchtet sich vor dem, was oben
auf ihn wartet, zeigt’s doch nicht,
weiß, dass, wenn er jetzt noch weine,
er zur Seite wird geschoben
und darf niemals steh’n im Licht.


Ewig wär’ die Dunkelheit.
Stehend vor dem Tor des Drachen,
der spuckt Flammen aus dem Rachen,
aus dem einen, dann aus beiden,
nein, sogar aus allen drei’n,
schreit er: »’S war ein Weg voll Leiden,
doch nun ist dein Henker hier!«
Doch es nützt nichts, als entfachen
dieses Untiers nicht bescheiden
große Wut und lodernd’ Gier.
Und der Mensch fängt an zu schrei’n.


Trotzdem zieht er nun sein Schwerte,
das schon vieler Blut begehrte,
traut sich kaum, den anzuschauen,
den er seinen Gegner nennt.
Doch das Untier, pures Grauen,
kennt nun keine Grenzen mehr.
Mut zur Torheit es verkehrte,
greift nach ihm mit Mäulern, Klauen,
giert nach seinem Blut so sehr.
Und der Mensch die Furcht erkennt.


Schrei voll Angst — die Nacht erzittert
Schrei voll Angst — Verzweiflung siegt
Schrei voll Angst — den Tod gewittert
Todesschrei — und er versiegt.


Auf dem Berg kehrt ein die Stille,
wie es ist des Biestes Wille,
und so ziert nun seine Bleibe
frischen Blutes frisches Rot.
Letzte Knochen es zerreibe
in dem letzten Schein der Nacht,
die sein Treiben noch verhülle
unter fahlen Mondes Scheibe.
Unbezwungen seine Macht.
Herr der Nacht, Trikephalo.

 

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