Epilog

Keksi ging zur Ballonstation. „Einmal mit dem Blätterballon, bitte“, sagte sie und lächelte die Bedienstete an.
„Es tut mir leid“, sagte diese, „aber der Blätterballon wurde gerade eben erst benutzt. Du musst entweder warten oder einen Poké-Diamanten zahlen, damit wir ihn schneller aufpumpen können.“ Keksi griff in ihre Tasche und holte einen Diamanten heraus. Zum Glück war sie wichtig genug, um den V.I.P.-Bonus genießen zu können, für gewöhnliche Abenteurer war der Preis im Durchschnitt deutlich höher. Die Bedienstete ließ den Ballon aufpumpen und Keksi aufsteigen.
Ihre Pokémon hatte sie allesamt verstaut, sie war heute nicht hier, um zu kämpfen. Sie wollte nur etwas Zeit bei ihren geliebten Blumenpokémon verbringen und den Tag genießen. Seit dem Sieg des Finsterkaisers waren schon Wochen vergangen, doch selten hatte sie sich einmal einfach nur Zeit für sich genommen. Heute sollte das anders sein. Kirika hatte ihr abgesagt, sie könne heute nicht. Sie wusste nicht, warum, doch sie hatte sich nicht getraut, nachzufragen, sie wollte nicht zu neugierig wirken. Immerhin hatte Kirika auch einmal einen Tag ohne sie verdient, nachdem sie sich seit der Eroberung ausnahmslos jeden Tag getroffen hatten. Neugierig war sie natürlich dennoch.
Geistesabwesend drückte sie einen Knopf, um den Ballon landen zu lassen. Vermutlich machte Kirika gerade etwas mit Corvin. Keksi mochte den Kerl nicht und konnte einfach nicht verstehen, warum Kirika ihn immer noch derart anhimmelte. Er hatte sie nur durch einen feigen Zauber dazu gebracht, ihm zu folgen, wie konnte sie ihm das so einfach verzeihen? Nachdem sie das erfahren hatte, war sie eine Zeit lang auch nicht besonders gut auf ihn zu sprechen gewesen, obwohl sie weiterhin bei ihm lebte. Warum war sie nur damals nicht ausgezogen? Keksi hatte sich schon Chancen ausgerechnet, dass Kirika zu ihr ziehen könnte. Wäre das nicht schön gewesen? Mit ihr zusammen im Schloss leben … Wer weiß, was sich daraus entwickelt hätte?
Der Ballon landete im Hofgarten und Keksi sprang ab. Warum hatte sie sich nicht mehr angestrengt, um ihre Freundin davon zu überzeugen, nicht beim Finsterkaiser zu leben? War sie sich zu sicher, dass sie ihn auf lange Sicht verlassen würde? Leider war das ganz und gar nicht der Fall gewesen und die beiden näherten sich einander viel zu schnell wieder an. Inzwischen verstanden sie sich vermutlich besser denn je. Wie sehr es sie doch ankotzte, jedes Mal, wenn Kirika anfing, von Corvin zu schwärmen. Sie wollte diejenige sein, von der sie schwärmte, sie wollte diejenige sein, in deren Armen sie einschlief, sie wollte diejenige sein, mit der sie ihr Leben verbrachte. Warum nur musste dieser vermaledeite Finsterkaiser ihr da dermaßen dazwischenfunken?
Keksi seufzte. Nun war sie einmal allein, und doch war das Einzige, woran sie denken konnte, Kirika. Kirika und der Fakt, dass sie nie mehr sein würde als nur eine Freundin. Es war so frustrierend. Wie gerne hätte sie es ihr einmal erzählt, doch sie hatte Angst, viel zu viel Angst. Es war schon seltsam. Über alles konnte sie mit ihr reden, über den doofen Lehrer, der sie immer benachteiligte, über den doofen Pickel an ihrem Rücken, den sich mal jemand ansehen sollte, darüber, wie einsam sie sich ohne ihre Familie in dem riesigen Schloss fühlte. Aber über ihre Gefühle, die ihr Herz jedes Mal schneller schlagen und ihren Atem schneller werden ließen, wenn sie Kirika sah, über ihre Gefühle, dank denen sie jede Nacht von nichts anderem mehr träumte als davon, mit Kirika zusammen sein zu können, über ihre Gefühle, die dafür sorgten, dass sich alles in ihr krampfhaft zusammenzog, wenn sie Kirika und den Finsterkaiser zusammen sah, über diese Gefühle konnte sie nicht reden. Selbst, wenn sie es versuchte, sie brachte kein Wort heraus. Oft genug hatte sie es versucht, dann aber doch wieder einen Rückzieher gemacht, aus Angst, ihre Freundin würde es falsch auffassen, sie für den Rest ihrer Tage verachten oder nie wieder ein Wort mit ihr wechseln.
„Kirika, ich liebe dich“, flüsterte sie geistesabwesend, als sie ins Nichts starrte. Was fand sie nur so toll an diesem Finsterkaiser? Warum konnte sie ihn nicht einfach verlassen und mit ihr zusammen leben, als Prinzessin und Prinzessin im Schloss? Gut, vermutlich hätten die beiden nicht so viel Talent darin, auf das Land aufzupassen und es zu regieren, aber dennoch … Es wäre so viel schöner. Warum war das Einzige, was sie sich wirklich wünschte, nur dermaßen unerreichbar? Es war ihr inzwischen relativ egal, wer das Land regierte, Corvin machte das sowieso kaum anders als ihr Vater, eigentlich merkte man kaum einen Unterschied. Nur warum musste er neben ihrem Land auch noch ihre Kirika beherrschen? Sie seufzte. Sie wollte doch eigentlich einen Ausflug machen, um auf andere Gedanken zu kommen.
„Miep!“ Ihre düsteren Gedanken verwischten das Geräusch zu einem nicht weiter definierbaren Störton. „Miep-miep!“ Sie blickte verwundert auf. Vor ihr schwebte ein Flabébé, das sich an einer roten Blüte festhielt. „Miiiep!“, machte die kleine Fee fröhlich, als Keksi sie bemerkte.
„Hallo, meine Kleine“, sagte die Prinzessin und lächelte. Das Pokémon stupste sie an, kreiste dreimal um sie herum und raste dann davon. Keksi rannte ihr hinterher kreuz und quer durch den Hofgarten. Es machte wirklich Spaß, so ohne irgendwelche Hintergedanken durch die Gegend zu tollen. Es war erfrischend und vertrieb düstere Gedanken schneller als alles andere.
„Miep“, machte das Flabébé plötzlich und deutete Keksi, still zu sein. Dort, hinter einem Busch, war irgendetwas. Ja, da waren zwei Figuren zu sehen. Die Prinzessin seufzte. Warum musste sie ausgerechnet im Hofgarten landen, wo der doch geradezu berüchtigt dafür war, dass dort die ganzen Pärchen hingehen, um … Spaß zu haben? Warum konnte sie nicht im Heckenwald oder auf dem Wipfelwachposten landen? Dort wäre sie für sich gewesen und hätte nicht daran erinnert werden müssen, wie allein sie sich fühlte.
Sie warf erneut einen Blick in die Richtung dieses Buschs. Das … Das konnte doch nicht –! Das war jetzt nicht deren Ernst, oder?! Das konnte doch nicht wahr sein! Diese beiden Figuren, die waren ganz eindeutig … Also war das der Grund, warum Kirika heute nicht kommen konnte? Weil sie sich mit Corvin im Hofgarten vergnügen wollte? Die Prinzessin beobachtete, wie die beiden sich immer wieder küssten und gegenseitig betatschten.
„Heute auf dem verführerischen Speiseplan des Finsterkaisers“, sagte Corvin, „meine Zuckerstange.“ Kirika kicherte.
Keksi schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. War das deren Ernst? Da konnte sie sich ja bessere Sprüche einfallen lassen als … das! Sie beobachtete, wie die beiden wieder begannen, sich gegenseitig abzuschlabbern und sich an die Wäsche gingen. Sie rannte schnell davon, so schnell sie konnte in Richtung des verbotenen Bereichs, des Heiligtums, aus dem kein Mii und kein Pokémon je lebendig zurückgekehrt sein sollte. Aber das war ihr gerade egal. Sie wollte einfach nur weg hier, sie wollte sich das keine Sekunde länger mitansehen müssen. Wie sie das hasste. Wie sie ihn hasste. Dieser Finsterkaiser, dieser verdammte Finsterkaiser! Er nahm ihr ihre Kirika weg, und sie ließ sich das alles gefallen!
Die Prinzessin warf sich vor dem Eingang zum Heiligtum auf den Boden und sah gen Himmel. Das kleine Flabébé legte sich zu ihr, es war ihr die ganze Zeit über gefolgt. Sie streichelte der Fee geistesabwesend über den Kopf.
„Was meinst du“, sagte sie leise, „sollte ich Kirika auch mal entführen?“

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